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Gäste Spezial

Tristan Forever / Regiegespräch mit Tobias Nölle

Dokufiktion von Tobias Nölle und Loran Bonnardot

CH 2026, DCP, F+E/d, 90’, ab 6 (8) Jahren

Seit 30 Jahren besucht der Pariser Arzt Loran Bonnardot regelmässig Tristan da Cunha – die abgelegenste bewohnte Insel der Welt. Der Ort mitten im südlichen Atlantik wurde ihm zu einer spirituellen Zuflucht, ihre Bewohner:innen zu seiner Familie und ein Fischer zu seinem besten Freund. Nun, mit 50 Jahren, bricht er ein letztes Mal auf, um einer der 230 Einwohner:innen zu werden. Es wird eine Reise zu einem utopischen Ort weit hinter dem Horizont. Tobias Nölles Film oszilliert zwischen Dokumentation, Fiktion und den Träumen des Protagonisten.

Mo, 14. September, 20 Uhr: Nach dem Film Regiegespräch mit Tobias Nölle, moderiert von Tanja Simeunovic (Filmwissenschaftlerin).

Kulturnacht: Bewegte Bilder aus Winterthur / Videokunst

Kurzfilmprogramm von diverse Regisseur:innen

30', im Loop

Videokunst eröffnet neue Perspektiven auf die Welt – mal poetisch, mal experimentell, mal überraschend direkt. Im Kino Cameo präsentiert das Amt für Kultur an der Kulturnacht Winterthur ausgewählte Werke aus der städtischen Kunstsammlung von Winterthurer Künstler:innen. Im Loop laufen zwischen 17 Uhr und Mitternacht filmische Arbeiten zwischen Animation, Performance, Dokumentation und Experimentalfilm und zeigen die Vielfalt zeitgenössischer künstlerischer Ausdrucksformen. Ergänzt wird das Programm durch Gespräche mit Kunstschaffenden und Kurator:innen, die Einblicke in die Entstehung der Werke, ihre Themen und Hintergründe geben. So entsteht ein lebendiger Austausch über Kunst, Bildsprache und die Rolle des bewegten Bildes in der Gegenwart. Eine Einladung zum Entdecken, Verweilen und Eintauchen in die vielfältige Videokunst aus Winterthur.

Gespräche mit Kunstschaffenden und Kurator:innen: 
18 Uhr: Olga Titus
19.30 Uhr: Michael Etzensperger 
21 Uhr: Werk von Esther Mathis präsentiert von Eve Hübscher
22.30 Uhr: Werk von Eveline Cantieni präsentiert von Sarah Mühlebach

Einlass mit Kulturnacht-Bändel; keine Reservation möglich.

Festivaleröffnung / Filme für die Erde

Festivaleröffnung von Filme für die Erde

ca. 90'

Die Festivaleröffnung des Filme für die Erde Festivals 2026 ist exklusiv für Mitglieder des Vereins Filme für die Erde (hier Mitglied werden). Das anschliessende Rahmenprogramm wird bald bekannt gegeben. Moderation: Sophie Rudolph.

Plan C for Civilization / Filme für die Erde

Dokumentarfilm von Ben Kalina

US 2025, DCP, E/d, 108'

Während der Emissionsausstoss fortschreitet und die Temperaturen steigen, ringen die Staats- und Regierungschef:innen der Welt nach Lösungen für den Klimanotstand. In dieser Situation rückt die umstrittene Technologie des solaren Geoengineerings ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Sie verspricht, die alte Fantasie, das Wetter kontrollieren zu können, wirklich werden zu lassen. 

Die treibende Kraft hinter ihr ist der us-amerikanische Physiker David Keith. «Plan C for Civilization» begleitet den ihn, das SCoPEx-Projekt sowie die eigenwilligen Geoingenieure von Make Sunsets. Der Film beleuchtet die Chancen sowie Gefahren des solaren Geoengineerings – eine Idee mit vielen offenen, kontroversen Fragen.

Der Film feiert seine Schweizer Premiere am «Filme für die Erde»-Festival.

How Deep Is Your Love / Filme für die Erde

Dokumentarfilm von Eleanor Mortimer

GB 2025, DCP, E/d, 100'

Mehr als 4’000 Meter unter der Meeresoberfläche liegt eine Welt, die wunderschöne, doch skurrile Kreaturen bevölkern. Diese Welt ist fast gänzlich unbekannt. Der Dokumentarfilm «How Deep Is Your Love» begleitet eine Gruppe von Wissenschaftler:innen auf ihrer Forschungsreise in sie. So führt der Film einen noch weitgehend unerforschten Lebensraum vor Augen, der bereits heute durch die Aussicht auf Tiefseebergbau bedroht wird. 

«Regisseurin Mortimers Film schafft eine perfekte Balance zwischen wissenschaftlichen Daten, der Wertschätzung für die wunderschönen, aber bizarren Bewohner des Meeresbodens und einer zurückhaltenden Darstellung der sich abzeichnenden wirtschaftlichen und politischen Faktoren.» (Farout Magazine)

Fire, Water, Earth, Air / Filme für die Erde

Dokumentarfilm von Phie Ambo, Ewa Cederstam, Janne Lindgren und Rógvi Rasmussen

Dänemark/Schweden/Faröer-Inseln/Norwegen 2026, DCP, OV/d, 85'

Der poetische Name des Dokumentarfilms «Fire, Water, Earth, Air» ist Programm. Anhand verschiedener Geschichten, die an den vier Elementen orientiert sind, beleuchtet er Klimaveränderungen in den nordischen Regionen: Er zeigt, wie Waldbrände wüten, der Meeresspiegel steigt, Erdflächen ins Rutschen geraten und Stürme an Stärke zunehmen. Zugleich rückt er verschiedene Gemeinschaften in den Blick, die auf diesen Wandel reagieren, und stellt Menschen vor, die auf die Zeichen der Natur hören und sich für sie engagieren.

«Der Dokumentarfilm zeigt mit atemberaubenden Totalaufnahmen, detailreichen Nahaufnahmen und einem lebendigen Sounddesign die Natur als eine zugleich schöne und beängstigend mächtige Grösse.» (Soundvenue)

«Fire, Water, Earth, Air» feiert am «Filme für die Erde»-Festival seine Schweizer Premiere.

The Odyssey / Wissenschaft Meets Film

Spielfilm von Christopher Nolan mit Matt Damon (Odysseus), Tom Holland (Telemachus), Anne Hathaway (Penelope), Travis Scott (Barde), Robert Pattinson (Antinous), Elliot Page (Sinon), Zendaya (Athena), Charlize Theron (Calypso) u.a.

US/GB 2026, DCP, E/d/f, 173’, ab 14 Jahren

Christopher Nolans Verfilmung der Odyssee gehört schon vor ihrem Kinostart zu den meistdiskutierten Filmen der letzten Jahre. Bereits die ersten Trailer lösten unter Archäolog:innen, Althistoriker:innen und Philolog:innen lebhafte Debatten aus. Der Grund: Schon wenige Szenen verraten, welche wissenschaftlichen Deutungen der Welt Homers der Film aufgreift – und welche er bewusst verwirft.

Doch worum geht es dabei eigentlich? Nicht um die einfache Frage, ob der Film «historisch korrekt» ist. Die Welt des Odysseus ist bis heute Gegenstand kontroverser Forschung. Über viele zentrale Fragen – von der Datierung über die Landschaften bis hin zur materiellen Kultur – gibt es unterschiedliche, oft gleich gut begründete Positionen.

Mi, 30. September, 18.30 Uhr: In einer kurzen Einführung ordnet der Numismatiker und Althistoriker Gunnar Dumke (Direktor Münzkabinett und Antikensammlung) den Film in diese aktuellen wissenschaftlichen Diskussionen ein. Welche archäologischen und historischen Erkenntnisse finden sich auf der Leinwand wieder? Wo entscheidet sich Nolan für eine von mehreren möglichen Rekonstruktionen? Und wo treten wissenschaftliche Überlegungen zugunsten einer überzeugenden filmischen Erzählung in den Hintergrund? Eine Einladung, den Film nicht nur als spektakuläres Kinoerlebnis zu sehen, sondern auch als spannende Interpretation der antiken Welt – und als Beitrag zu einer Debatte, die lange vor dem ersten verkauften Kinoticket begonnen hat.

Kalari Kid / Regiegespräch mit Maria Kaur Bedi und Satindar Singh Bedi

Dokumentarfilm von Maria Kaur Bedi und Satindar Singh Bedi

CH/Indien 2026, DCP, OV/d/f, 93’, ab 12 Jahren

Die 9-jährige Arushi und 21-jährige Milena praktizieren Kalari, die älteste Kampfkunst der Welt. Dr. Binny, die Leiterin des Fachbereichs Geschichte an der renommierten Kannur-Universität, setzt sich engagiert für Frauenrechte ein. Maria Kaur Bedi und Satindar Singh Bedi zeigen in ihrer Dokumentation, wie in Indien tradierte Rollenbilder hinterfragt werden und Frauen dank Selbstermächtigung ihren Platz in einer Gesellschaft finden, die von geschlechtsspezifischer Gewalt geprägt ist.

Do, 1. Oktober, 18 Uhr: Nach dem Film Regiegespräch mit Maria Kaur Bedi und Satindar Singh Bedi, moderiert von Aline Juchler (Kunsthistorikerin).

Rockstar Matthias / Gespräch mit Christoph Rahm (Regie) und Matthias Noser (Protagonist)

Dokumentarfilm von Christoph Rahm

CH 2026, DCP, Dialekt/d, 97’, ab 12 Jahren

Matthias Noser erschafft faszinierende Kunstwerke, und er leidet an den wiederkehrenden Psychosen einer paranoiden Schizophrenie. Seit seinem 15. Lebensjahr lebt er mit dieser psychischen Erkrankung, aufgrund der er viele Jahre in Psychiatrien verbrachte. Bei einem seiner Aufenthalte lernte er vor über 25 Jahren den Regisseur Christoph kennen, der damals noch als Psychiatriepfleger arbeitete.

In «Rockstar Matthias» findet der Regisseur kreative Wege, die verschiedenen Facetten seines langjährigen Freundes zu zeigen. Der Dokumentarfilm führt das Publikum an die Musik-, Bild- und Gedankenwelt von Matthias heran und unterstreicht dabei das Obsessive, aber auch die Konsequenz und die Ehrlichkeit seines künstlerischen Schaffens. Bildmontagen, Archivaufnahmen und Interviews mit Familienmitgliedern, Therapeut:innen und weiteren Wegbegleiter:innen werfen verschiedene Perspektiven auf Matthias’ Lebensgeschichte. Das Porträt ist ein inspirierender Dokumentarfilm über Kreativität, Freundschaft und darüber, wie ein vorbelasteter Mensch sein Leben meistert – tiefgründig und humorvoll!

Mi, 14. Oktober, 19 Uhr: Nach dem Film Gespräch mit Christoph Rahm (Regie) und Matthias Noser (Protagonist), moderiert von Stephanie Werder (Kino Cameo).

Das Cabinet des Dr. Caligari / live vertont von Jozef van Wissem

Spielfilm von Robert Wiene mit Werner Krauss (Dr. Caligari), Conrad Veidt (Cesare), Friedrich Fehér (Franzis), Lil Dagover (Jane), Hans Heinz von Twardowski (Alan) u. a.

Deutschland 1920, DCP, ohne Dialog, deutsche Zwischentitel, 72’

Franzis und sein bester Freund Alan besuchen einen Jahrmarkt in ihrer Heimatstadt Holstenwall. Dort führt der unheimliche Schausteller Dr. Caligari den hellseherischen Somnambulen Cesare vor. Cesare sagt Alan dessen Tod voraus – und in derselben Nacht wird Alan umgebracht. Franzis vermutet einen Zusammenhang mit Dr. Caligari, der den Verdacht aber vorerst von sich weisen kann.

Mit «Das Cabinet des Dr. Caligari» aus dem Jahr 1920 hat Robert Wiene einen Meilenstein gesetzt. Für seinen expressionistischen Stummfilm kehrten die Ausstatter eine aus den Fugen geratene Welt und den Wahnsinn der Figuren nach aussen: Sie erschafften durchwegs verzerrte Perspektiven, schiefe Schornsteine, kippende Häuser, Dächer, die im Zick-Zack verlaufen. Die Darstellenden geistern mit kalkweissen Fratzen durch diese Traumwelt. Dekor und ausdrucksstarkes Schauspiel faszinieren bis heute.

Dank einer Kooperation zwischen dem Musikclub Kraftfeld und dem Kino Cameo ist der Film in Winterthur mit einer Livevertonung des niederländischen Lautenspielers Jozef van Wissem zu erleben. Diesem gelang es inmitten des 21. Jahrhunderts die Faszination für dieses althergebrachte Instrument wiederzuerwecken. 2013 erschallten seine kontemplativen Kompositionen in Jim Jarmuschs «Only Lovers Left Alive». Sein ebenso mittelalterlich wie modern wirkender Score verlieh dem existenziellen Vampirdrama eine eigentümlich zeitlose Atmosphäre, dank der van Wissem internationale Anerkennung erlangte und den Cannes Soundtrack Award erhielt.

Der Film stammt aus dem Bestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (www.murnau-stiftung.de) in Wiesbaden.