In seinem 10-teiligen Meisterwerk «Dekalog» setzt sich der polnische Regisseur Krzysztof Kieślowski mit universellen Fragen der menschlichen Existenz auseinander. Lose orientiert an den Zehn Geboten entfaltet jede der einstündigen Episoden ein anderes ethisches Dilemma. Anstatt einfache Antworten zu geben, fordern sie heraus und regen zum Nachdenken an.
Obschon es der Spielfilm «La double vie de Véronique» und die Trilogie «Trois couleurs» waren, die Kieślowski einem breiten internationalen Publikum bekannt machten, war es insbesondere die Serie «Dekalog», die ihm langfristig grosses Renomee einbrachte. Das Werk wurde 1989, in Zeiten des politischen Umbruchs, im polnischen Fernsehen ausgestrahlt. Den zehn voneinander unabhängigen Episoden ist gemeinsam, dass sie in einer Warschauer Wohnsiedlung im Polen des späten 20. Jahrhunderts spielen, sich ihre Motive wiederholen und Figuren kreuzen. Was die Filme zudem auszeichnen, ist die meisterhafte Filmsprache des polnischen Regisseurs. Zu seiner Handschrift gehören Grossaufnahmen, die Details ins Zentrum rücken, überraschende Bildeinstellungen, ein nicht-chronologisches Editing, das den Inhalt verdichtet. Spannend gealtert sind besonders die Kulissen und Kleidungsstücke. Sie entfalten heute eine geradezu dokumentarische Wirkung.
Filmkritiker Georg Seesslen schreibt: «Was ‹Dekalog› jedenfalls nicht ist, das ist eine ‹Illustration› der Zehn Gebote. Eigentlich sind es ganz einfach zehn moralische Tragödien. Diese Geschichten gehen ans Fundamentale des Menschseins.»
Parallel zu der «Dekalog»-Filmreihe im Cameo findet in der reformierten Kirche zwischen dem 18. Oktober und 15. November die Predigtreihe «Die Zehn Gebote» statt.