Spielfilm von Francesco Rizzi, mit Vinicio Marchioni (Suter), Sabine Timoteo (Anna), Leonardo Nigro (Christoph), Jasmin Mattei (Katia) u.a.
Schweiz 2018, DCP, OV/d, 93', ab 14 J.
Anna, Mitte vierzig, ist traumatisiert vom Tod ihres Mannes und schottet sich ab. Suter prüft als Mystery-Shopper inkognito die Dienstleistungen von Firmen und verändert dabei stets sein Aussehen. Seinen weissen Transporter, mit dem er in der Schweiz unterwegs ist, parkiert er in der Nacht in der Nähe von Annas Haus, um sie zu beobachten. Anna weiss um seine Obsession und als sich die Wege der beiden Unbekannten nicht ganz zufällig kreuzen, entwickelt sich eine eigenwillige Form von Intimität. Doch das Vertrauen ist fragil – und von einem dunklen Geheimnis bedroht. Das Regiedebüt des Tessiner Regisseurs Francesco Rizzi ist ein poetisch-mysteriöser Film über verlorene Identitäten.
Der Titel des Films bezeichnet die Angst vor dem Vergehen der Zeit. Unter Chronophobie leidende Menschen haben das Gefühl, dass Ereignisse zu schnell an ihnen vorüberziehen. Dementsprechend haben sie Mühe, alles adäquat mitzuerleben. So auch die Protagonist*innen von Cronofobia: Sie leben isoliert und auf eine Art der Zeit entfallen, in mentalen und realen «Käfigen», die sie selber um sich errichtet haben.
«Feines Gespür legt Rizzi besonders auch bei der Wahl der Schauplätze an den Tag. Für seine Aufträge reist Michael [Suter] durch die ganze Schweiz, wobei aber keineswegs pittoreske Postkartenbilder entstehen. Die meisten Settings sind kalte, anonyme Durchgangsräume, die keinerlei Geborgenheit vermitteln: Tankstellen, Einkaufszentren, ein Hotelzimmer, oder Michaels Van, der – Vehikel eines Verlorenen – frei ist von eigenen Gegenständen und sich ständig in Bewegung befindet. Fehlt diesen Orten das Persönliche, so werden die Figuren in Annas Haus beinahe erdrückt von Erinnerungen an den verstorbenen Mann.»
(Stephanie Werder, Filmbulletin, 1.7.2019)
Vorfilm: All Inclusive (Corina Schwingruber Ilić, CH 2018, 10'). Vergnügungsferien auf hoher See, bei denen das eigene Hotelzimmer und alle Unterhaltungsattraktionen mitschwimmen: Ein genauer Einblick in den Kreuzfahrt-Boom, der Raum für eigene Gedanken lässt.