Spielfilm von Cyrill Oberholzer, mit Lara Stoll, Shia LaBeouf
CH 2018, DCP, 93’, Dialekt/e, ab 16 J.
Die 29-jährige Künstlerin Lara Stoll leidet an den ganz normalen Gesellschaftskrankheiten ihrer Generation: diverse Abhängigkeiten, ADHS und Reizdarm. Ihr neustes Projekt: Eine Teilnahme beim Eurovision Song Contest. Wie so häufig sind die Ziele hoch und die Methodik ist dabei wenig durchdacht. Beim Versuch ein Haarknäuel in den Abfluss ihrer Badewanne stopft, bleibt ihr Finger stecken. Der rund 90 Minuten dauernde Spielfilm lehnt sich an den amerikanischen Kinofilm «127 Hours» an, in dem ein Bergsteiger mehr als fünf Tage von einem Felsbrocken eingeklemmt ist. So weit die Handlung, die sich erzählen lässt. Der Rest ist skurril, abgedreht, überraschend – und lustig.
«Man kann Lara also wie ein sehr hilfsunbereiter Voyeur dabei zusehen, wie ihre Befreiungsversuche kläglich scheitern – wie sie Appenzeller mit Redbull und später auch ihren Urin trinkt («wenigschtens öppis mit chli Gschmack»), wie sie ihres letzten halben Minipics verlustig geht, wie sie mit ihrem verzerrten Spiegelbild im Wasserhahn spricht. Kurz, wie sie allmählich den Verstand verliert. (...) Lara steckt also fest und verzweifelt. Sie kommt deshalb auch nicht umhin, sich der grossen Fragen des Lebens anzunehmen. Ist der Wahnsinn nicht eigentlich besser als die schnöde Realität? Warum stecke ich im Abfluss fest? Wer bin ich? Was weissagt mir das Orakel von Delphi, wenn ich es in Unterhosen, mitten in der Nacht und verbotenerweise besuche?» (Anna Rothenfluh, Watson, 16.7.2018)
«Es war schon bitz Lars von Trier mässig. Wir haben Grenzen überschritten.» (Lara Stoll)
«Der Film ist trotz aller Verzweiflung auch leicht geblieben, für all den Krampf wird man immer mal wieder mit einer Prise Humor belohnt.» (Lara Stoll)
> Fr, 7. September, 22.30 Uhr: Filmgespräch mit Cyrill Oberholzer (Regie) und Lara Stoll (Schauspiel).