Dokumentarfilm von Milo Rau
CH/D 2017, 100', DCP, OV/d/f, Altersfreigabe: 14 (12) J.
«Wo die Politik versagt, hilft nur die Kunst.» (Die Zeit): Mehr als 6 Millionen Tote hat der Kongokrieg bereits gefordert. Die Verbrechen wurden nie juristisch verfolgt, die Täter blieben straffrei. In einem zivilen Tribunal bringt der Künstler Milo Rau erstmals in der Geschichte des langjährigen Konflikts Opfer, Täter, Zeugen und Analytiker zusammen und lässt drei Fälle exemplarisch verhandeln. Entstanden ist ein unverschleiertes Porträt des grössten Wirtschaftskriegs der Menschheitsgeschichte, von dem das zentralafrikanische Land seit Jahren zerrissen wird: Rohstoffschlachten um kostbare Hightechmetalle für Smartphones und Laptops, getarnt als primitive Stammesfehden, um von den eigentlich Schuldigen, der Regierung und internationalen Firmen, abzulenken. Ein menschlich erschütterndes, analytisch tiefgründiges Tableau der neokolonialen Weltordnung.
«Diese global vernetzte Wirrnis im oft rechtsfreien Raum mit einem künstlichen Schauprozess zurechtrücken zu wollen, grenzt an Grössenwahn. Rau orientiert sich am 1966 von den beiden Philosophen Bertrand Russell und Jean-Paul Sartre veranstalteten Vietnamkriegsverbrechertribunal. Seine Methode hat Rau über die Jahre in verschiedenen Theaterprozessen und Reenactments entwickelt. ‹Das Kongo Tribunal› addiert sich zur Summe seiner bisherigen Arbeiten und theoretischen Analysen.» (Daniela Janser, WOZ, 10.8.2017)
Milo Rau gewinnt für Das Kongo Tribunal den Zürcher Filmpreis 2017.
Jurybegründung:
Der Filmemacher adelt das Kino und macht das, was die Realität nicht kann. Indem er einen gesellschaftspolitischen Konflikt raffiniert und multimedial in Szene setzt, gelingt es ihm, ein sehr komplexes und brisantes Thema aus unterschiedlichen Winkeln zu beleuchten. In einem fiktiven zivilen Tribunal bringt er Opfer, Täter, Zeugen und Analytiker der wirtschaftlichen und kriegerischen Konflikte im Kongo auf dieselbe Bühne mit dem erklärten Ziel, der Bevölkerung nebst Genugtuung auch den Glauben an den Rechtsstaat zurückzugeben. Es ist Milo Rau hoch anzurechnen, dass er unter dem Godard’schen Motto «Nicht politische Filme machen, sondern Filme politisch machen» das Medium in den Dienst emanzipatorischer Anliegen stellt und es schafft, dort, wo die Justiz versagt, wirkungsvolle Veränderung mit den Mitteln des Films und des Theaters herbeizuführen.