Spielfilm von Milo Rau, mit Yvan Sagnet (Jesus), Marcello Fonte (Pontius Pilate), Enrique Irazoqui (John the Baptist), Maia Morgenstern (Mother Mary) u.a.
Deutschland/Schweiz/Italien 2020, DCP, OV/d/f, 107', ab 6 (12) J.
Was würde Jesus im 21. Jahrhundert wohl predigen, und wer wären seine Apostel? Nach Jesus’ Vorbild kehrt Yvan als «Menschenfischer» in das grösste Flüchtlingslager bei der süditalienischen Stadt Matera zurück, um dort seine «Jünger» zu finden: Verzweifelte, die über das Mittelmeer nach Europa gekommen sind, um auf den Tomatenfeldern Süditaliens versklavt zu werden. Gemeinsam mit zahlreichen Laiendarsteller*innen aus Matera selbst und ansässigen Landwirt*innen, die von grossen Agrarunternehmen in den Bankrott getrieben wurden, begründen sie – von Yvan angeführt – die politische Kampagne «Rivolta della Dignità» und machen Seite an Seite mit den Flüchtlingen auf die Missstände aufmerksam.
Zusammen mit dem Politaktivisten Yvan Sagnet inszeniert der Schweizer Regisseur Milo Rau («Das Kongo Tribunal») eine moderne Geschichte eines schwarzen Jesus in Matera, wo sowohl Pier Paolo Pasolini als auch Mel Gibson ihre legendären Filme über das Leben Jesus’ gedreht haben. Im hochpolitischen Film fliessen biblische Erzählung und Revolte ineinander. «Das neue Evangelium» ist ein Manifest der Solidarität der Ärmsten und ein filmischer Aufstand für eine gerechtere, menschlichere Welt.
Hauptdarsteller Yvan Sagnet stammt aus Kamerun und arbeitete selbst auf einer Tomatenplantage in Apulien, bis er 2011 den bisher grössten Streik in der italienischen Landwirtschaft organisierte. Für das Filmprojekt zieht er 2019 durch die Lager rund um Matera, wo er seine «Jünger» findet. Gleichzeitig besetzt Milo Rau weitere Rollen mit Schauspieler*innen aus den Filmen von Pier Paolo Pasolini und Mel Gibson: So ist Enrique Irazoqui, der kürzlich verstorbene Jesus-Darsteller Pasolinis, in seiner letzten Filmrolle zu sehen. Als Johannes der Täufer übergibt er mit der Taufe gleichsam den Staffelstab der Jesus-Rolle an Yvan Sagnet. Maia Morgenstern spielt – wie auch bei Mel Gibson – die Mutter des Messias. Und der von der Kritik gefeierte und in Cannes 2018 als bester Schauspieler ausgezeichnete Marcello Fonte spielt Pontius Pilatus. Thomas Erich-Schneider sind die ikonografisch starken Blickwinkel und eindrucksvollen Bilder zu verdanken, die von der gefühlvollen Musik und Off-Stimme von Vinicio Capossela umspielt werden.