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Grosser Fokus: La Suisse n'existe pas – Bild folgt Ton – Variationen des Musik- und Geräuschfilms

Trailer

Kurzfilm von diverse Regisseur*innen

59'

Ausgehend von einer kurzen Phase in den 1960er Jahren, als sich die Interessen und Wege von jungen Filmschaffenden und der entstehenden (Pop-)Musikszene kreuzten, versucht dieses Programm einen chronologisch hin- und herspringenden Streifzug durch 50 Jahre Film- und Videoschaffen, das sich mit Ton, Geräuschen und Musik beschäftigt.

Im Anschluss an das Screening findet ein Q&A statt.
«Status Symbol»
Sebastian Schroeder, Schweiz 1972, 2'26", Farbe, ohne Dialog / ohne UT, Exp
Die Autowaschanlage als ästhetisches Spektakel, das dem Automobil einen Moment der Unwirklichkeit verleiht. Eine Anmerkung zu einem geschmähten Statussymbol.

«Inclinations»
Guido Haas, Eva Haas, Schweiz 1962, 5'35", Schwarz-Weiss, ohne Dialog / ohne UT, Exp
«Inclinations» ist das Ergebnis einer mehrjährigen Zusammenarbeit des Künstlerpaars Eva und Guido Haas. Direkt in Schwarzfilm gekratzt und gedruckt wurden die Filmkader bildgenau mit «Take Five» von Dave Brubeck synchronisiert. Die Arbeitskopie des Filmes wies die kürzestmöglichen Schnitte von nur vier bis fünf Bildern Länge auf. Wo nötig wurden daraufhin drei der vier Kader wieder schwarz übermalt, um einzelbildgenau montieren zu können.

«23/69 Underground Explosion»
Kurt Kren, Schweiz/Österreich 1969, 5'18", Farbe, ohne Dialog / ohne UT, Exp
Der Film ist durch die starke Bewegung der Kamera ganz anders als alle vorherigen Filme Krens. Es sollte eine Reportage über ein Underground-Festival werden, das durch Deutschland und die Schweiz auf Tournee ging. Kren erzählte, dass er zu der Zeit mit einer Mischung aus Alkohol und Amphetamin «experimentierte» und zeitweise gar nicht wusste, was er tat. Er schoss den Film «aus der Hüfte», wodurch die Bilder zusammen mit der Musik einen sehr authentischen Eindruck des Ereignisses liefern.

«Peche de nuit»
Tjerk Wicky, Luc Peire, Henri Chopin, Schweiz/Belgien/Frankreich 1963, 11'14", Schwarz-Weiss, ohne Dialog / ohne UT, Exp
Eine der ersten Kompositionen von Henri Chopin aus dem Jahr 1957, als Chopin auf der Île de Ré lebte und eine primitive Form der Reusenfischerei praktizierte. Fünf Jahre später entstand aus dem Audio-Gedicht ein «rückwärts gemachter» Film, bei dem der Ton das Bild kontrolliert anstatt umgekehrt. Der Schweizer Filmemacher Tjerk Wicky animierte dazu Arbeiten des belgischen Malers Luc Peire in Schwarz-Weiss.

«Irrlichter»
Benny Jaberg, Christoph Brünggel, Schweiz 2006, 8'46", Farbe, ohne Dialog / ohne UT, Exp
Nachts, den Fokus der Kamera auf eine zu kurze Distanz gestellt, werden Verkehrslichter zu Geistern. Sie tauchen auf mit sonoren, schwingenden Schichtungen von Sinustönen, irrlichtern durch das Bild und vergehen mit den Klängen wieder. Ein Film wie ein Gedicht, das die ZuschauerInnen allein lässt mit dem Reichtum der Bilder in ihrem Kopf. Ursprünglich als elektroakustisches Stück für zehn Lautsprecher und Single-Screen-Projektion komponiert, wird «Irrlichter» nun als Kino-Adaption mit Stereoton gezeigt.

«Senkrecht/Waagrecht»
Peter Liechti, Schweiz 1985, 4'45", Farbe, ohne Dialog / ohne UT, Exp/Doc
Die Aktionen Roman Signers verstehen sich in ihren Bewegungs- und Handlungsabläufen als Raum/Zeitplastiken. Die Bewegungsrichtungen verlaufen ausgesprochen gegensätzlich, und so heisst der Film auch ganz einfach «Senkrecht/Waagrecht». Unterstrichen wird diese Gegensätzlichkeit durch die Handlungsorte: Winter, Eis, Wasser, Sommer, Wolken, Luft. «Kommentiert» wird die Geschichte mit den abstrakten Zeichen der Gebärdensprache und vor allem mit der Musik von Möslang/Guhl.

«Night»
René Uhlmann, Schweiz 1976, 5'49", Farbe, ohne Dialog / ohne UT, Exp    
Ein Teil des Projekts «Punk-Cocktail». Zürich, 1976–80: Punk, Underground. Super-8-Filmer René Uhlmann dreht aus der Hand und ohne Leuchten wenige Bilder pro Sekunde: Zeitraffung als Stilmittel. 2006 digitalisiert er die Originalfilme und arrangiert sie mit den Songs von damals. Erinnerungen werden in eine neue Dimension katapultiert.

«Punkmachine»
Ingo Giezendanner, Schweiz 2011, 3', Schwarz-Weiss, ohne Dialog / ohne UT, Ani/Clip
Eine Linie verdreht MoRitZ die Gehirnwindungen …

«Duett» / «Duet»
Max Philipp Schmid, Schweiz 1993, 3', Farbe, ohne Dialog / ohne UT, Exp
Ein Mann und eine Frau singen das Duett «Papageno, Papagena» aus Mozarts Zauberflöte. Es sind aber nicht sie zwei, die die schwierige Partitur meistern, sondern die Person am Schnitt. Die Töne und Bilder wurden Note für Note zusammengesetzt. Was wir sehen, ist immer auch das, was wir hören. Jeder Ton gehört zum entsprechenden, gleichzeitig sichtbaren Bild. Die Komposition überlebt diesen Eingriff, Sänger und Sängerin behalten ihren Charme trotz der unzähligen Schnitte: Technik und Natürlichkeit kommen in verspielter Harmonie zusammen.

«I'm Not the Girl Who Misses Much»
Pipilotti Rist, Schweiz 1986, 5', Farbe, Englisch / ohne UT, Exp
Ein exorzistisches Überlebensband, um die positive Hysterie zu beschwören.

«Basic Music (Ausschnitt)» / «Basic Music (Excerpt)»
Muriel Olesen, Schweiz 1974, 4'26", Farbe, ohne Dialog / ohne UT, Exp
In diesem dreiteiligen Video setzt Muriel Olesen ihr Gesicht, ihre Stimme und ihre Hände ein, um Klänge zu erzeugen.